Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Dienstag, 16. Dezember 2014, 18:30 Uhr

Vortrag von Dr. Magnus Ulrich Ferber (Bonn):

Marx Welser: Kaufmann — Humanist  — Politiker. Zum 400. Todestag eines großen Augsburgers


Vor 400 Jahren ging das weltweit operierende Handelshaus Welser in Konkurs. Auslöser dafür war der Tod eines der Teilhaber der Gesellschaft, des Augsburger Stadtpflegers Marx Welser. Sein Ansehen als Stadtoberhaupt, als das er auch das Programm zur Stadterneuerung unter Adriaen de Vries und Elias Holl verantwortete, wahrte in den Jahren zuvor die Kreditwürdigkeit der Firma. Überdies war er ein angesehener Humanist, der Kontakt zu allen wichtigen Gelehrten seiner Zeit von Lipsius bis Galilei pflegte und wichtige Arbeiten zur Augsburger Stadtgeschichte und zur bayerischen Landesgeschichte vorlegte. Sein 400. Todestag ist daher Anlass, ihn in all seinen persönlichen Facetten als Kaufmann, Humanist und Politiker zu würdigen.


Dr. Magnus Ulrich Ferber, geboren 1975, studierte Geschichte, Politikwissenschaften und Philosophie in Passau. Er wurde im Jahr 2004 in Augsburg mit einer Arbeit über den Briefwechsel Marx Welsers promoviert. Zur Zeit ist er Mitarbeiter am Editionsprojekt »Bayerische Gelehrtenkorrespondenz« der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

 

Dienstag, 28. Oktober 2014, 18:30 Uhr

Vortrag von Moritz Kelber M.A. (Augsburg):

Musikkosmos Augsurger Reichstag – Musik und Politik im 16. Jahrhundert

 

Nicht immer war die Augsburger Bevölkerung im 16. Jahrhundert erfreut darüber, dass (schon wieder) ein Reichstag in ihrer Stadt tagen sollte. Reichstage waren nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis mit gigantischen Ausmaßen, sie stellten auch eine enorme finanzielle Belastung dar. Oft waren über viele Monate mehrere tausend Gäste in der Stadt. Im Jahr 1530 – die Religionskonflikte schwelten nicht nur im Reich, sondern auch innerhalb der freien Reichsstädte – drohte die Ankunft des Kaisers sogar in einer Katastrophe zu enden. Ein Aufruhr stand kurz bevor.

Selten kam den politischen Symbolen, den Zeremonien und Ritualen des Reichs eine größere Bedeutung zu als in dieser gespannten Atmosphäre. Musik, ein integraler Bestandteil des Reichszeremoniells und des höfischen Lebens, gestaltete Politik. Das Forschungsprojekt zu der Musik bei den Augsburger Reichstagen des 16. Jahrhunderts beschäftigt sich mit der Wechselwirkung von Politik und Musik. Es untersucht die Rolle von Tonkunst und Klang im Rahmen von Ritualen wie Herrschereinzügen, Belehnungen und Huldigungen. Zum Frieden mahnende Motetten stehen dabei ebenso im Zentrum des Interesses wie die Rolle der schlachterprobten Hoftrompeter.

Der Vortrag »Musikkosmos Reichstag – Musik und Politik im 16. Jahrhundert« gibt einen Einblick in die Klangwelt eines Reichstags. Kaum ein anderes Ereignis der frühen Neuzeit brachte eine vergleichbare Zahl an Musikern und Musikinteressierten an einem Ort zusammen. Der Reichstag war eine der großen Bühnen des 16. Jahrhunderts.

Moritz Kelber studierte Musikwissenschaft, Politikwissenschaft und Jura an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2011 arbeitet er an der Universität Augsburg bei Prof. Dr. Franz Körndle an einem Dissertationsprojekt zum Thema »Die Musik bei den Augsburger Reichstagen des 16. Jahrhunderts«. Neben seinen Forschungen zur Musik des 16. und 17. Jahrhunderts beschäftigt er sich mit den Themenfeldern Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftssoziologie. Von 2012 bis 2014 war er Sprecher der Fachgruppe Nachwuchsperspektiven in der Gesellschaft für Musikforschung.

 

Dienstag, 30. September 2014, 18:30 Uhr

Vortrag mit Buchvorstellung von Prof. Dr. Mark Häberlein (Bamberg):

Rechnungsfragmente der Augsburger Welser-Gesellschaft (1496–1551). Oberdeutscher Fernhandel am Beginn der neuzeitlichen Weltwirtschaft

Nach dem Bankrott der Augsburger Welser-Gesellschaft im Jahr 1614 wurde das Firmenarchiv aufgelöst und als Altpapier verwertet, was bislang die Erforschung der Geschichte einer der großen süddeutschen Handelsfirmen des 16. Jahrhunderts erschwerte. Bei Restaurierungsarbeiten an historischen Bucheinbänden sind in den letzten Jahrzehnten jedoch Fragmente von Geschäftsbüchern der Welser wiederentdeckt worden. Die nach langjähriger Vorbereitung nunmehr von Prof. Dr. Mark Häberlein zusammen mit Dr. Peter Geffcken vorgelegte Edition dieser Handelsbuchfragmente gewährt zahlreiche neue Einblicke in die Buchhaltung, die Geschäftsfelder und die Organisation der Welser-Gesellschaft. Das Sortiment der Waren, mit dem die Welser handelten, ihre Beziehungen zu Fürsten, Höflingen und Klerikern, ihre Kreditnetze sowie die Tätigkeit der Firmenvertreter in Nürnberg, Antwerpen, am spanischen Hof und in Sevilla können auf der Grundlage dieser bislang weitgehend unbekannten Quellen künftig umfassend rekonstruiert werden.

Das Werk ist erschienen unter dem Titel "Peter Geffcken und Mark Häberlein (Hrsg.): Rechnungsfragmente der Augsburger Welser-Gesellschaft (1496–1551). Oberdeutscher Fernhandel am Beginn der neuzeitlichen Weltwirtschaft. Stuttgart 2014 (Deutsche Handelsakten des Mittelalters und der Neuzeit, Bd. 22)".

Prof. Dr. Mark Häberlein wurde 1966 in Stillwater/Oklahoma (USA) geboren. Er studierte Neuere Geschichte, Amerikanistik und Politikwissenschaft an der Universität Augsburg und der Michigan State University, wo er 1988 einen M.A. in American Studies erwarb. Nach der Promotion an der Universität Augsburg (1991) wurde er wissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar der Universität Freiburg i. Br. und habilitierte sich dort im Jahr 1996. Seit 2004 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Neuere Geschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

 

Dienstag, 8. Juli 2014, 18:30 Uhr

Vortrag von Edith Seidl M.A. (Augsburg):

Der Augsburger Arzt Joseph von Ahorner (1764–1839) – Ein Zeuge des Epochenwandels um 1800

Aus Anlass des 250. Geburtstages Joseph von Ahorners stellt der Vortrag eine Persönlichkeit vor, die zwar kein namhaftes Oeuvre hinterließ, aber dennoch bis heute untrennbar mit der Geschichte der Stadt Augsburg verbunden ist. Die Säkularisation ab 1802/03, die dem katholischen Arzt einen wichtigen Teil seiner Patientenschaft nahm, und die Mediatisierung der Reichsstadt Augsburg 1806, durch die er seine Ämter im städtischen Medizinalwesen verlor, lehnte er auch aus innerer Überzeugung entschieden ab. Der neuen bayerischen Herrschaft stand er deshalb kritisch gegenüber. Sein Bemühen zielte darauf ab, dem sich abzeichnenden, von der Regierung Montgelas durchaus gewollten Traditionsverlust entgegenzuwirken. So nahm er das Archiv des reichsstädtischen Collegium Medicum an sich und rettete es dadurch vor dem Untergang. Große Teile seiner umfangreichen Sammlungen und seines schriftlichen Nachlasses gelangten später in den Besitz des Historischen bzw. Naturhistorischen (jetzt: Naturwissenschaftlichen) Vereins für Schwaben und befinden sich heute in der Staats- und Stadtbibliothek, im Stadtarchiv sowie den Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Diese reiche Überlieferung ermöglicht es, das Leben Ahorners exemplarisch für eine Persönlichkeit seiner Epoche nachzuzeichnen.

Edith Seidl M.A. studierte an der Universität Augsburg die Fächer Neuere und Neueste Geschichte, Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte sowie Neuere Deutsche Literaturwissenschaft. In ihrer Magisterarbeit beschäftigte sie sich mit den Erinnerungen Joseph von Ahorners an seine Tätigkeit am Hof des letzten Augsburger Fürstbischofs Clemens Wenzeslaus von Sachsen. Seitdem arbeitet sie weiterhin zu Themen der Augsburger Geschichte, vorwiegend aus der Zeit um 1800, so über den Schmetterlingsforscher Jacob Hübner, den Bistumshistoriker P. Placidus Braun und den Antiquar und Publizisten Georg Wilhelm Zapf.

 

Mittwoch, 25. Juni 2014, 18:30 Uhr

Vortrag von Dr. Susanne F. Kohl (Augsburg):

Die Stiftungsstadt lebt! Augsburgs älteste Bürgerstiftung und ihr "Kolleg"

Einflussreiche evangelische Bürger taten sich 1581 zu einer „Stifftung" zusammen und eröffneten ein Jahr später ihr "Colleg" im Stadtzentrum (Annengasse) mit durchaus aktueller Zielsetzung: Förderung des evangelischen akademischen Nachwuchses für Kirche, Stadtverwaltung und Gesellschaft. Bis heute hat die „Stiftung Protestantisches Kollegium von St. Anna" als Träger des „Annakollegs" ihre Selbständigkeit bewahrt und ist damit Augsburgs älteste, aktive Bürgerstiftung.

Über ihren eigentlichen Bildungsauftrag hinaus spielten Stiftung und Kolleg im konfessionellen, politischen, kulturellen, aber auch wirtschaftlichen Leben Augsburgs Jahrhunderte lang eine facettenreiche, heute größtenteils vergessene Rolle: als unverzichtbarer Rückzugsort der evangelischen Bürgergemeinde (Ausweichkirche), Standort des ersten Römischen Museums („Antiquarium Romanum") oder als begehrte Laden- und Wohnadresse und "Mittelstandsbank".

Der bebilderte Vortrag beleuchtet diese unterschiedlichen Handlungsfelder, fragt nach Rahmenbedingungen, Stifterpersönlichkeiten und -motiven. Und er schlägt eine konkrete Verbindung zum Vortragsort. Denn die ehemalige Bibliothek des Annakollegs bildet seit 1811 einen der wertvollsten Pfeiler des historischen Bücherschatzes der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg.

Dr. Susanne F. Kohler ist freiberufliche Historikerin. Einer ihrer gegenwärtigen Forschungsschwerpunkte sind die Augsburger Stiftungen.

 

Mittwoch, 28. Mai 2014, 18:30 Uhr

Vortrag von Dr. Felicitas Söhner (Ulm):

Das Forschungslabor der I.G. Farben an der Heil- und Pflegeanstalt Günzburg – Entwicklung und Rezeption eines Epilepsiemedikaments

Der Vortrag befasst sich mit den Vorgängen im I.G.-Farben-Labor an der seinerzeitigen Heil- und Pflegeanstalt Günzburg. Das Labor wurde zur Prüfung des damals neuen Epilepsiepräparats „Citrullamon" während der NS-Zeit eingerichtet. Es wird rekonstruiert, welcher Art die vorgenommenen Experimente waren und ob sich der Verdacht unethischer Menschenversuche bestätigen lässt. Untersucht werden die Beziehungen zwischen dem Unternehmen I.G. Farben, der ärztlichen Leitung der Anstalt und den Behörden sowie die Rolle, die das Günzburger medizinische Personal und die Chemiker der I.G. Farben im Zusammenhang mit den Versuchen spielten.

Dr. Felicitas Söhner studierte Kulturwissenschaften (Geschichte, Philosophie, Literatur und Soziologie) sowie Heil- und Sonderpädagogik an der Fern-Universität Hagen. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm.

 

Donnerstag, 15. Mai 2014, 18:30 Uhr

Vortrag von Dr. Bernhard Fischer (Weimar) mit Buchvorstellung:

Johann Friedrich Cotta (1764–1832) – "Napoleon des deutschen Buchhandels", Unternehmer und Staatsmann

Cotta war ein klassischer "selfmade man", ausgestattet mit Spürsinn für das Zukunftweisende, der virtuos die Chancen einer Umbruchszeit nutzte. Aus einem kleinen Tübinger Universitätsverlag machte er den größten Universalverlag seiner Zeit. Markenzeichen waren die "Klassiker" Goethe und Schiller, aber auch die "Augsburger Allgemeine Zeitung". Er erfasste den Zeitgeist und die die zukunftsmächtigen Ideen, die sein Verlag ins Publikum brachte, die er zudem auf seinen Gütern und in seinen Fabriken beispielgebend praktizierte und die er als Politiker und Diplomat durchzusetzen suchte.

Dr. Bernhard Fischer war nach dem Studium der Deutschen Philologie, Philosophie und Kunstgeschichte lange Zeit Leiter des Cotta-Archivs im Deutschen Literaturarchiv. Seit 2007 ist er Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar.

Es handelt sich um eine Gemeinschaftsveranstaltung von Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg e. V. und Stadt- und Staatsbibliothek Augsburg in Zusammenarbeit mit der "Buchhandlung am Obstmarkt".

 

Donnerstag, 6. März 2014, 18:30 Uhr

Veranstaltungsort: Rokoko-Saal der Regierung von Schwaben (Fronhof 10, 86152 Augsburg)

Die Initiative lädt zusammen mit der Staats- und Stadtbibliothek und dem TASCHEN-Verlag ein zur Präsentation:

Das Augsburger Wunderzeichenbuch

Ein Prunkstück aus dem goldenen Zeitalter der Stadt sowie weitere Schätze zur Augsburger Überlieferung von Wunderzeichen

Programm

Bibliotheksdirektor Dr. Reinhard Laube: Das Wunderzeichenbuch und die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Dr. Petra Lamers-Schütze (TASCHEN-Verlag, Köln): Zur Faksimile-Ausgabe des Wunderzeichenbuchs

Dr. Joshua P. Waterman (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg): Das Wunderzeichenbuch – Eine staunenswerte Neuentdeckung der Buchmalerei um 1550

Dr. Helmut Zäh (Vorsitzender der Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg e.V.): Das Wunderzeichenbuch und die Augsburger Überlieferung

Erst vor wenigen Jahren wurde eine einzigartige Bilderhandschrift wiederentdeckt, die um 1550 in der Reichsstadt Augsburg entstand. Es handelt sich um ein sogenanntes "Wunderzeichenbuch", in dem Ereignisse, die den Zeitgenossen im 16. Jahrhundert zugleich wundersam wie furchterregend erschienen, gezeigt werden: Himmelserscheinungen und seltene Sternenkonstellationen werden ebenso anschaulich und fesselnd dargestellt wie Naturkatastrophen und biblische Szenen vom Alten Testament bis hin zur Apokalypse.

Durch die Faksimile-Ausgabe kehrt das Renaissancemanuskript zurück in seine Heimatstadt, wo es anlässlich der Präsentation zusammen mit herausragenden Objekten wie Chroniken, Flugblättern und Flugschriften aus den Beständen der Staats- und Stadtbibliothek gezeigt werden wird.

 

 

 

 

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